A Oanzelfoi

Frau Schneizlinger und Frau Primsl stehen an der Kasse im Supermarkt. Sie müssen warten und ratschen a weng:

Schneizlinger:
„Mei, hams des glesen vo dem Afrikaner, der auf offener Straß vo Neonazis zammgschlagn wordn is?“

Primsl:
„Jaa, des is doch des letzte! Bloß weil a Ausländer is. Und no dazua a Student, a ganz a gscheider Kerl. Koa Asylbewerber, der auf Staatskosten lebt und so.“

Schneizlinger:
„Genau! Do kannt ma ja no vasteh, daß de Neonazis a Wuat auf so oan haben. Obwoih, seibst dann is a Sauerei. Wenn ma überlegt, wia s in Afrika zuageht, mit Kriag und Diktatur....“

Primsl:
„Außerdem sann ned olle Ausländer Schmarotzer. Do muaß ma an Einzelfoi seng“.

Schneizlinger:
„Scho, aber des mit da Demokratie kenna de Afrikaner und Islamis einfach ned. Do brauchst bloß a foisch Wort sagn und scho hauns da mit da Machete oane übern Kopf. Dawei hättn doch grad in Afrika d Engländer, Franzosen und Deitsche mit eahnre Kolonien do wos Guads hinterlassen. Sunst hockaten de Eingeborenen ja heut no auf de Bamm“.

Primsl:
„Aber sauber aufgführt haben se de Kolonialmächte scho aa!“

Schneizlinger:
„Oiso i hob nix gega Ausländer. I mag gern ab und zua a Pizza oder moi an Döner“.

Primsl:
„Und de Griechen und Türken haben wirklich a ganz a guads Obst und Gmias, i kauf gern bei dene ei. Und bei uns im Haus wohnt jetz a türkische Familie. De sann so guad zum haben – des sigst und herst ned.“

Frau Primsl schaut nach vorn zur Kasse, um zu erfahren, warum es in der Schlange so langsam weitergeht.

„Warum dauert des heut so lang?“

Frau Schneizlinger schaut nun ebenfalls in Richtung Kasse. Die Kassierin ist eine junge, dunkelhaarige Frau mit fremdländischen Gesichtszügen.

Schneizlinger:
„De kenn i gar ned, des is a Neie. Schaugt aus wia a Türkin oder so was“.

Primsl:
„Aha. Und warum werds dann glei am Samstag an d Kasse gsetzt? De muaß doch des erst lerna.“

Schneizlinger:
„Des is wieder typisch Großkonzern: Dene is da Kunde wurscht, ob a warten muaß oder gscheid bedient werd. Und ob s Personal überhaupts Deitsch konn."

Primsl:
„A bissal Deitsch werds scho kenna. Aber langsam is de!“

Schneizlinger:
„Sann ma froh, daß de Sachen bloß übern Scanner ziang muaß und ned oiss vo Hand eitippn. Do dad i fei aufn Kassenzettl besteh!“

Die Kassierin hat gerade einen jungen Burschen in Arbeit.

Primsl:
„Ah, schaugs o, flirtet scho mit am Kunden rum. Des haben de Orientalinnen ja olle drauf“.

Schneizlinger:
„De wui bestimmt obandln wega a Heirat mit am Deitschn. Des kannt ihra so passen!“

Primsl:
„Und den Mo dann obkassiern und s Geld noch Anatolien schicka!“

Frau Primsl checkt ihr Obst und verschließt die offenen Cellophantüten mit einem Knoten.

„A Freindin vo mir suacht scho lang a Arbat, de hod bis heut nix gfundn…

Schneizlinger:
„Des liest ma doch dauernd, daß de Ausländer oiss vorn und hinten neigschobn kriang und de einger Leut…“

Primsl:
„…sann wurscht. Des is oiss wega da Globalisierung und da EU. A soichaner Schmarrn!“

Die Damen kommen an die Reihe, Frau Schneizlinger zuerst. Die Kassierin sagt ein freundliches „Grüß Gott“. Schneizlinger legt wortlos ihre Sachen auf das Laufband und versucht, den Namen auf dem Schild der Kassierin zu entziffern. Irgendwas mit Özarimoglou oder so ähnlich.

Die Kassierin will gerade einen Beutel Tomaten über den Scanner ziehen, als sie stutzt, die Tüte öffnet und eine angestoßene Tomate herausholt. Sie sagt zur Schneizlinger in gepflegtem Münchnerisch:


„Mei, schaung S, de is nimma guad. I hoi eahna schnei a neue“.

Die Kassierin eilt zur Gemüsetheke und bringt kurz darauf eine tadellose Ersatztomate und packt sie in die Tüte. Schneizlinger und Primsl schauen sich verdutzt an, Schneizlinger quetscht ein „Danke“ heraus und zahlt, danach Frau Primsl.

Primsl:
„Host Du des ghert? De red ja wia mia?“

Schneizlinger, wissend:
„Ja, warum ned? Es kummt immer auf n Oanzelfoi o“.


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